Unterrichtswesen und berufliche AusbildungGesundheitGesundes Frühstück in der Schule

9. Juni 2022
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Mündliche Frage von Frau Kirsten Neycken-Bartholemy an Ministerin Lydia Klinkenberg

Zur Idee eines gesunden Frühstücks in der Schule

Am 03.05.2022 veröffentlichte der BRF einen Artikel über den Bericht der WHO zum Thema Übergewicht. Laut besagtem Artikel sind in Belgien 26% der Kinder zwischen fünf und neun Jahren übergewichtig. Es scheint so zu sein, dass die Fettleibigkeit sogar zugenommen hat. Ein veränderter Lebensmittelkonsum sei zumindest ein Teil der Erklärung.

Ich kann mich erinnern, dass auch schon vorher Beobachtungen in diese Richtung gemacht wurden.

Des Weiteren stellt man in Gesprächen mit Jugendlichen fest, dass viele gar nicht  mehr frühstücken oder aber Lebensmittel mit einem hohen Zuckeranteil zu sich nehmen. Manche essen bis zum späten Nachmittag überhaupt nicht. Zudem werden zuckerhaltige Getränke getrunken. Natürlich trifft das nicht auf jeden zu, doch der Bericht der WHO zeigt, dass ein schlechter Lebensmittelkonsum keine Ausnahme ist.

Dies führt nicht nur zu gesundheitlichen Problemen, sondern auch dazu, dass manche Schüler den ganzen Tag müde und ohne Energie sind. Wie wichtig besonders das Frühstück auch für den Lernerfolg ist, ist längst bekannt.

Einige Länder, so beispielsweise Finnland, das immer wieder als Referenz für guten Unterricht und Ausbildung gilt, bieten seit Jahren ein gesundes Frühstück in den Schulen an.

Warum nicht auch hier dem guten Beispiel folgen?

Nicht nur, dass der Gesundheit der Schüler und Schülerinnen Sorge getragen würde, durch das Angebot stiege auch die Energie und damit die Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen.

Hierzu meine Fragen an Sie, Werte Frau Ministerin:

  • Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, ein gesundes Frühstück in den Schulen der DG anzubieten?
  • Was gedenken Sie zu unternehmen, um eine gesunde Ernährung über die Schulen zu fördern und die Konzentrationsfähigkeit in der Schule zu stärken?

Die Antwort der Ministerin:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Förderung der Gesundheit erachte ich als wichtigen Bestandteil der schulischen Erziehung und unterstütze gerne Initiativen rund um diese Thematik. Einige Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben in ihrer Schulordnung fest verankert, dass sie Wert auf eine gesunde Ernährung legen. Sie sensibilisieren beispielsweise ihre Schüler und auch die Eltern im Rahmen gemeinsamer Versammlungen, mit dem Ziel, dass die Kinder bewusst gesunde Nahrungsmittel zu sich nehmen und auf Fast Food wie z.B. den Verzehr von Chips, süßen Lebensmitteln und Getränken in der Schule verzichten. Zudem organisieren manche Schulen regelmäßig themengebundene gesunde Frühstückspausen, in denen unter anderem Obstsalate, Gemüsedips und vieles mehr gemeinsam hergestellt und verzehrt wird. Auch kleine Gerichte können im Vorfeld zu Hause für die gemeinsamen Schulpausen vorbereitet werden. Um zu gewährleisten, dass alle Kinder ein gesundes Frühstück zu sich nehmen, sollten nämlich m.E. nicht nur die Schulen, sondern auch die Eltern in die Pflicht genommen werden. Viele Primarschulen sehen Zeit für ein gesundes Frühstück vor, das die Kinder von zu Hause mitbringen. Fällt den Lehrpersonen auf, dass das Frühstück nicht gesund ist, suchen sie den Kontakt zu den Eltern. So fördert die Schule die gesunde Ernährung der Kinder, lässt die Verantwortung aber da, wo sie hingehört. Denn die Kinder sollen sich ja nicht nur in der Schule gesund ernähren. Indem die Eltern für die gesunde Ernährung ihrer Kinder sensibilisiert werden, können sie auch außerhalb der Schule auf die gesunde Entwicklung ihrer Kinder achten.

Neben dem Frühstück werden Projekte im Bereich der Gesundheitserziehung angeboten, auf die interessierte Schulen zurückgreifen können. So finanziert beispielsweise das EU-Schulprogramm, das mittlerweile auch in Ostbelgien über die Wallonischen Region abgewickelt wird, auf Anfrage die kostenlose Verteilung von Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukten in den Grundschulen – mit dem Ziel, die Förderung einer gesunden Ernährung ab dem jüngsten Alter zu unterstützen. Kaleido Ostbelgien bietet seit vielen Jahren das Obstprojekt „Tutti Frutti“ für die Grundschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft an, um den Kindern verschiedene Obstsorten näher zu bringen, damit sie den Geschmack und die Vielfalt entdecken können.
Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Obsthändlern wird den Kindern einmal wöchentlich frisches Obst der Saison geliefert. Die Schüler erwerben ein Obstabonnement pro Schuljahr, das je nach Anbieter zwischen 10,50 und 12,50 Euro pro Kind kostet. Kaleido verhandelt den Preis des Obstabonnements mit den verschiedenen teilnehmenden Obsthändlern zu Beginn des Schuljahres und stellt den Schulen die vertraglichen
Unterlagen zur Verfügung.

Zusätzlich bietet Kaleido flächendeckend vom 2. Kindergartenjahr bis zum 2. Primarschuljahr für die Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft das Schulzahnpflegeprogramm an. Das Projekt verfolgt das Ziel des selbstständigen Zähneputzens und integriert ebenfalls die Themenschwerpunkte der gesunden Ernährung und der Bedeutsamkeit von Bewegung. Zudem unterstützt die König-Baudouin-Stiftung Projekte, die Kinder und Jugendliche zu gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung anregen.
Die Stadt Eupen bietet unter dem Motto „Donnerstag ist Veggietag“ in den städtischen Schulen donnerstags eine Mahlzeit ohne Fleisch an, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und um der Gesundheit etwas Gutes zu tun.

In den Sekundarschulen sind die ungesunden Lebensmittel weitestgehend aus den Getränke- und Snackautomaten verschwunden. An den Automaten und an den Kiosks können Sekundarschüler gesunde Lebensmittel wie Obst oder Joghurts kaufen.

Weil mir die Wichtigkeit einer gesundheitsfördernden Erziehung bewusst ist, ist es mir nicht nur ein Anliegen, gesunde Ernährung in den Schulen zu fördern, sondern die Kinder so früh wie möglich an eine gesunde Ernährungsweise heranzuführen.
Deshalb habe ich Kaleido beauftragt, ein Pilotprojekt zur Zahnhygiene und gesunden Ernährung in einer Kinderbetreuungseinrichtung zu initiieren.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.