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Frage von Herrn Spies an Ministerin Weykmans

Bezüglich der Beratung von Arbeitslosen

Vor einigen Wochen wurde in der Wallonischen Region eine Reform des FOREM beschlossen.

Konkret habe die Wallonische Regierung sich hiermit das Ziel gesetzt, bei der Betreuung von Arbeitssuchenden niemanden am Wegesrand zurückzulassen.

So sehe das Dekret vor, dass Arbeitssuchende eine individuelle Betreuung erhalten, welche noch besser auf ihr Profil, ihre Wünsche und nicht zuletzt auf die Bedürfnisse des Marktes abgestimmt sei.

Die Grundidee sei, dass die Berater des Forem virtuell in die Rolle von Coaches schlüpfen sollen und wieder Zeit finden sollen, um sich mehr den Menschen zu widmen, die sehr weit von der Beschäftigung entfernt sind. Folglich würden sie die selbstständigeren Arbeitssuchenden ein wenig mehr alleine lassen, beziehungsweise diese vermehrt durch digitale Hilfsmittel unterstützen.

Kurz gesagt, es geht darum für jede Türe den passenden Schlüssel, das heißt individuelle Lösungen, zu finden, statt mit einem Universalschlüssel beziehungsweise einer identischen Lösung für jedermann zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen werte Frau Ministerin folgende Fragen stellen:

  • Welche Ansätze werden derzeit in Ostbelgien verfolgt, um Arbeitssuchende individuell zu begleiten?
  • Gibt es ähnliche Reformvorhaben für die Deutschsprachigen Gemeinschaft?
  • Wie ist der aktuelle Stand der Dinge in Sachen „Vermittlung aus einer Hand“?

Die Antwort der Ministerin:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

Das Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft bietet eine Reihe von Dienstleistungen zur individuellen Begleitung von Arbeitssuchenden an. Die Betreuung und die angebotenen Hilfsmaßnahmen werden dem Bedarf angepasst. Dabei wird insbesondere der Entfernung vom Arbeitsmarkt aufgrund von Ausbildung, Berufswunsch, Sprachkenntnissen, Gesundheitszustand, Alter usw. Rechnung getragen. Je nach Bedarf werden auch weiterführende Maßnahmen und spezialisierte Beratungen wie Bewerbungscoaching, Berufsberatung, psychologische Beratung, Ausbildungen, usw.
angeboten.

Das Arbeitsamt ist über die zahlreichen Kontakte, die es zum FOREM besitzt, mit den Inhalten und der Umsetzung des neuen wallonischen Dekrets zur Begleitung von Arbeitssuchenden vertraut. Auch im Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft läuft aktuell ein umfassendes internes Reformvorhaben HERKULES, das Parallelen zur wallonischen Reform aufweist und das Ihnen kürzlich in diesem Hause vorgestellt wurde.

Das Arbeitsamt hat diesen Veränderungsprozess aus verschiedenen Gründen angestoßen:

  • Zum einen gilt es der veränderten Arbeitsmarktsituation Rechnung zu tragen: Bei tendenziell sinkender Arbeitslosigkeit und dem weiteren Verlauf des demografischen Wandels zeigt sich der Fachkräftemangel immer deutlicher. Gleichzeitig hat sich das Profil der Arbeitsuchenden verändert, die vermehrt multiple Vermittlungshemmnisse aufweisen.
  • Die Regierung hat im Rahmen des REK III bedeutende Reformprojekte lanciert, an denen das Arbeitsamt beteiligt ist und die einen hohen Impakt auf die zukünftige inhaltliche Ausgestaltung der Aufgaben des Arbeitsamts haben werden. Dabei sind insbesondere „Vermittlung aus einer Hand“ oder „Auf das echte Leben vorbereiten“ zu nennen.
  • Zudem muss das IT-System des Arbeitsamts modernisiert werden und mit den „E-Services“ wird das digitale Dienstleistungsangebot ausgeweitet werden.

Diese unterschiedlichen Reformansätze fließen beim Arbeitsamt in einen umfassenden, internen Transformationsprozess ein, der sowohl die Modernisierung der Informatik als auch die Neuausrichtung der Prozesse umfasst. Auf diese Reform näher im Detail einzugehen, würde den Rahmen der heutigen Fragestellung sprengen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, so dass das Reformvorhaben voraussichtlich ab Mitte 2023 in die Praxis umgesetzt werden kann.